Kann eine pflanzliche Ernährung das Altern verlangsamen?

Ja sie kann! Ich möchte euch in diesem Post kurz erklären was es mit den Begriffen „Oxidativer Stress“ bzw. den berüchtigten „Antioxidantien“ auf sich hat und wie ihr diese großartigen pflanzlichen Stoffe ganz einfach in euren Alltag schmuggeln könnt.

Antioxidantien und oxidativer Stress – was ist das eigentlich genau?

Die einfachste Erklärung zu diesem Thema fand ich im Buch „How not to Die“ von Dr. Michael Greger:
Wenn man eine Pflanze in die Sonne stellt, nutzt das Chlorophyll in deren Blättern während der Photosynthese die Sonnenenergie dazu, diese in winzig kleine Materienbausteine, nämlich Elektronen, umzuwandeln.
Diese Elektronen haben zunächst nur wenig Energie, werden aber von der Pflanze, die die Energie der Sonne dafür nutzt, zu hochenergetischen Elektronen aufgeladen. Wenn wir nun diese Pflanze essen (oder aber das Tier, das diese Pflanze gefressen hat), werden diese Elektronen in Form von Kohlehydraten, Eiweiß und Fett zu all unseren Zellen transportiert. Die Kraftwerke der Zellen, unser Mitochondrien, freuen sich über diese energiegeladenen Elektronen und nutzen sie als Energiequelle bzw. als Brennstoff und setzen sie langsam frei.
Dieser Prozess muss allerdings sehr präzise und in einer streng kontrollierten Weise ablaufen.
Stellt euch diese Elektronen wie Benzin vor. Randvoll mit Energie sind sie daher leicht flüchtig. Genauso wie es gefährlich wäre ein Streichholz in der Nähe eines vollen Benzinkanisters anzuzünden, was die gesamte gespeicherte Energie auf einen Schlag frei setzen würde, muss auch der Körper Vorsicht walten lassen. Unser Körper gibt diese Energie also nur nach und nach ab bis sie verbraucht ist. Anschließend übergibt er diese aufgebrauchten Elektronen dann einem sehr wichtigen Molekül: dem Sauerstoff.

Hulk oder Dr. Banner – Wenn Sauerstoffmoleküle ausflippen

Sauerstoffmoleküle lieben Elektronen, vielleicht sogar ein bisschen zu sehr. Während sich unser Körper schön  viel Zeit lässt, die Energie der Elektronen langsam freizugeben, trippeln die Sauerstoffmoleküle schon ganz ungeduldig hinten in der Schlange herum. Sie würden nur zu gerne schon hochenergetische Elektronen in ihre Finger bekommen, aber unser Körper sagt: „Immer mit der Ruhe. Wir müssen das ganz langsam machen, also wartet ab, bis ihr dran seid, und lasst sie erst abkühlen. Wir geben euch eure Elektronen erst wenn es für euch ungefährlich ist damit zu spielen.“ Dann werden die Sauerstoffmoleküle sauer und schreien:“Wir kommen zu jedem Zeitpunkt bestens mit solchen Elektronen zurecht!“ Schmollend entdeckt eines der Sauerstoffmoleküle vielleicht ein hochenergetisches Elektron, das allein im Freien sitzt und stürzt sich dann darauf. Unser Körper ist nicht perfekt, er kann nicht immer alle Sauerstoffmoleküle in Schach halten. Wenn ein Sauerstoffmolekül jedoch ein hochenergetisches Elektron in die Finger bekommt, wird es buchstäblich zum Hulk und verwandelt sich von einem kleinen Sauerstoffmolekül in ein sogenanntes Superoxid, eine Form von freiem Radikal. Ein freies Radikal ist genau das, wonach es klingt: ein Molekül das instabil, außer Kontrolle und gefährlich reaktionsfreudig ist. Es ist zum Bersten voll mit Energie und kann wild in der Zelle herumtoben, wobei es alles über den Haufen werfen und über unsere DNA stolpern kann.
Wenn ein Superoxid mit unserer DNA in Kontakt kommt, kann es unsere Gene beschädigen, die, wenn sie nicht repariert werden, zu Mutationen unserer Chromosome und dadurch zu Krebs führen können.
Glücklicherweise ist unser Körper sehr schlau. Er ruft ein Verteidigungskommando auf den Plan – die Antioxidantien. Die stürmen heran und rufen:“ Lasst sofort die Elektronen fallen!“ Die Antioxidantien stürtzen sich auf das Superoxid, entwinden ihm das hochenergetische Elektron und lassen anstelle unseres Hulks nur ein armes kleines Sauerstoffmolekül mit zerissenen Hosen zurück.
In wissenschaftlichen Kreisen wird dieses Phänomen, bei dem Sauerstoffmoleküle sich umherirrende hochenergetische Elektronen schnappen und völlig durchdrehen, als oxidativer Stress bezeichnet.

Und was hat das nun mit Altern zu tun?

Der oben genannten Theorie zufolge ist der daraus entstehende Schaden in den Zellen der eigentliche Grund des Alterns. Altwerden und Krankheiten wurden als die Oxidation des Körpers angesehen. Diese braunen Flecken, die sich im Alter auf dem Handrücken bilden? Nur oxidiertes Fett unter der Haut. Oxidativer Stress wird als die Ursache dafür angesehen warum wir alle Falten bekommen, unser Erinnerungsvermögen nachlässt und unsere Organsysteme mit weiter fortschreitendem Alter langsam den Geist aufgeben. Der Theorie nach verrosten wir ganz einfach.

Schön und gut, aber was mach ich nun dagegen?

Die Lösung ist einfacher als man denkt: wir können diesen oxidativen Prozess aufhalten indem wir Lebensmittel essen, die viele Antioxidantien enthalten. Ob ein Lebensmittel viele Antioxidantien enthält, können wir daran sehen, was passiert, wenn wir es aufschneiden und der Luft, also Sauerstoff aussetzen. Wird es braun, oxidiert es und besitzt somit selbst nicht genügend Antioxidantien. Äpfel (die meisten Antioxidantien von Äpfel stecken in der Schale, deshalb brav die Schale essen 🙂 ) und Bananen, schneiden wir sie auf, werden sie innerhalb kürzester Zeit braun. Was machen wir damit der Obstsalat nicht gleich so unhübsch braun wird? Zitronensaft, sprich Vitamin C, darüberträufeln denn dieses ist ein hoch wirksames Antioxidant.

Was passiert wenn wir eine Zitronen, Orange oder eine Mango aufschneiden? Nichts! Sie enthalten genügend Antioxidantien um nicht braun zu werden. Antioxidantien bewahren unser Essen vor dem oxidieren, und tun vermutlich dasselbe in unserem Körper.

Schwedische Wissenschaftler beobachteten über 30.000 ältere Frauen über einen Zeitraum von etwa zwölf Jahren. Sie fanden heraus, dass die Frauen, die die antioxidantienreichsten Lebensmittel verzehrten, auch das geringste Schlaganfallrisiko hatten. (Nebenbei bemerkt: diese Wirkung konnte bei Nahrungsergänzungsmitteln nicht nachgewiesen werden. Die Macht von Mutter Natur lässt sich also nicht in eine Pille pressen)

Jetzt kommt etwas sehr interessantes: Pflanzliche Lebensmittel enthalten  durchschnittlich 64 mal soviele Antioxidantien als tierische Lebensmittel. Sogar das am wenigsen gesunde pflanzliche Lebensmittel (der amerikanische Eisbergsalat, der zu 96% aus Wasser besteht) enthält 17 Einheiten (genaues zur Einheit aus oben genanntem Buch) antioxidativer Energie. Einige Beeren enthalten über 1.000 Einheiten, was den Eisbergsalat ziemlich erbärmlich aussehen lässt. Aber vergleichen wir die 17 Einheiten unseres Eisbergsalats mal mit frischem Lachs, der gerade einmal 3 Einheiten enthält. Huhn – 5 Einheiten. Entrahmte Milch oder Ei – 4 Einheiten,…im Vergleich dazu noch Kirschen – 714 Einheiten! Wird der Unterschied langsam deutlich? 🙂 Eine detailierte Liste kann man hier aufrufen. (Hoffe der Link funktioniert, ansonsten schreibt mir bei Interesse eine kurze Nachricht)

Eine pflanzliche Ernährung ist erwiesenermaßen reich an Antioxidantien. Wenn man einfach zu jeder Mahlzeit eine Auswahl an verschiedenen Obst, Gemüse, Kräutern und Gewürzen ißt, ist man auf einem sehr gutem Weg im Kampf gegen den oxidativen Stress. Das beugt Schlaganfällen und anderen altersbedingten Krankheiten vor. Antioxidantienreiches Obst und Gemüse wie Beeren und dunkelgrünes Blattgemüse bekämpfen systemische Enzündungen deutlich besser als die gleiche Menge an Obst und Gemüse, das weniger Antioxidantien enthält. wie bspw. Bananen und Kopfsalat.

Eine Prise Antioxidantien

Die Lebensmittelkategorie mit dem höchsten Antioxidantiengehalt sind Kräuter und Gewürze.
Nehmen wir an wir kochen eine schöne Portion gesunder Vollkornpasta mit Marinarasauce. Zusammen enthält dieses Gericht wahrscheinlich 80 Einheiten antioxidativer Energie. Wenn wir noch eine Handvoll Brokkolieröschen einrühren, haben wir ein köstliches Gericht mit etwa 150 Einheiten. Streuen wir dann noch einen TL getrockneten Oregano oder Majoran darüber hat unsere Mahlzeit einen Antioxidantiengehalt von 300 Einheiten.
Haferbrei – 1/2 TL Zimt drüber und schon hat die Mahlzeit nicht mehr 20 Einheiten sondern 120!

Ich fand diese Werte so faszinierend, obwohl sie so einfach umzusetzen sind, dass ich sie unbedingt mit euch teilen wollte.

Dieses Buch kann ich euch sehr ans Herz legen, wenn ihr euch genauer mit den Gründen für eine pflanzliche Ernährung beschäftigen möchtet.

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